Ibarra

 

An einem Wochenende beschlossen Mahim, ich und ein deutsches Pärchen von unserer Gruppe (Inken & Matthew), nach Ibarra zu gehen. An dem besagten Wochenende sollten mehrere Fester stattfinden, wie das Sonnenwendefestival, Musikfestival und sogar anscheinend ein Autorennen.

 

Das Wochenende startete schon mit einem schlechten Vorzeichen: Mahim war der einzige der Pünktlich vor Ort war. Wenn man Mahim kennt, weiss man, dass dies eigentlich nie passiert, genauso wenig wie sich Inken verspäten würde. Doch genau dies passierte. Das Hostel war laut dem Reiseführer sehr schön und mit vielen Travelern. Das Hostel (Hostel Barcelona) war tatsächlich sehr schön. Allerdings gab es keine anderen Traveler. Oder überhaupt andere Gäste. Doch wie sich herausstellen sollte, war das Hostel noch das kleinste Problem. Am Abend sahen wir, dass das Musikfestival wirklich stattfand, beschlossen jedoch zuerst noch einen ruhigen Ort zu suchen, um miteinander zu sprechen. Schon als wir durch

 

die Altstadtliefen, unser Hostel lag sehr zentral in der Altstadt, bemerkten wir, dass ausergewöhnlich viele Poliziesten unterwegs waren.

Nach einer endlos langen Suche, fanden wir schliesslich einen ein bisschen abgelegenen kleinen Park und beschlossen uns dort ein bisschen zu unterhalten. Ich hatte für dieses Wochenende extra meine Musikboxen und mein Handy mitgenommen, da wir dies das letzte Mal in Mindo bereut hatten, dass wir nichts mit uns dabeihatten. Nach einer Weile bemerkten wir, dass die Musik vielleicht ein bisschen zu laut waren und schalteten sie ab, da wir von der Ferne zwei Poliziesten bemerkten. Kein Problem denkt man sich vielleicht, doch die Polizei ist dafür bekannt, dass sie gerne Leute abzocken, vor allem Touristen. Da wir alle jedoch nicht allzu viel Geld mit uns dabeihatten und keine Lust hatten, der Polizei nur Geld zu geben, weil wir ja ‘reiche Europäer’ sind, machten wir uns schnellstens aus dem Staub. Weiter unten an der Strasse bemerkten wir noch mehr Polizisten.

 

Wir beschlossen einen anderen Weg zurück zu nehmen, wählten aber den falschen Weg. Wir gingen über eine Metallbrücke auf eine ruhigere Gegend der Stadt zu. Was wir allerdings nicht wussten, da es nirgendwo angeschrieben war. Prompt fing auch schon eine Frau auf Spanisch an zu schreien: «Diebe!!! Diebe!!! Diebe!!!» Inken schrie darauf der Frau auf Spanisch zu, dass wir uns verwirrt hatten und nur den Weg zur Altstadt zurück suchten. Das beruhigte die alte Frau allerdings gar nicht. Es machte sie nur noch wütender! Sie begann noch ganz andere Fluchwörter an zu schreien. Ihr lieblings Wort war: «Bastarde!!! Bastarde!!! Bastarde!!!» Inke versuchte die Frau zu beruhigen, dies klappte allerdings gar nicht. Im Gegenteil, es machte alles nur noch schlimmer.

 

Auf einmal hörten wir mehrere Hunde, die sehr aggressiv bellten und einen Mann der im Hintergrund anfing einen Countdown runter zu zählen.

 

Als wir das hörten, nahmen wir unsere Beine in die Hände und rannten wie die verrückten los!!! Die Frau hörte für gute 7 Minuten nicht mit schreien auf. Wir hörten sie noch lange aus der Ferne.

Und als wir zurückliefen, stand da immer noch die Polizei. Was uns ziemlich Angst machte, da man die Frau aus der Ferne immer noch vernehmen konnte. Und den Polizisten ist es hier normalerweise scheissegal ob man etwas gemacht hat oder nicht, Hauptsache sie kassieren noch ein bisschen Bestechungsgeld ein. Als wir an ihnen vorbeiliefen, vernahmen Inken und ich aus den Augenwinkeln, dass einer der Poliziesten, sobald wir an ihnen vorbeigelaufen waren, ein weisses Schild in die Luft, das im Licht der Strassenlaterne leuchtete.

 

Er gab den Polizisten weiter oben ein Lichtsignal…

 

Das gab uns noch den Rest für den Abend. Wieder einmal liefen wir wie wild durch die Gegend, um einen Weg in unser Hostel zu finden. Was wir schlussendlich auch schafften. Nach diesem ‘Abenteuer’ allerdings, hatten wir keine Lust mehr ans Musikfestival zu gehen.

Zu unserem Pech, denn keins der anderen Festivals fand an diesem Wochenende statt. Und eigenartiger weise, am nächsten Tag, als wir zur Touristeninformation gehen wollten, stellten wir fest, dass sie geschlossen war. Das ganze Wochenende….

 

Was ganz ehrlich, sehr schlecht ist. Die einzige Touristeninformation der Stadt ausgerechnet, dass ganze Wochenende zu schliessen. Was passierte mir natürlich nach dem wir feststellten, dass die Touristeninformation geschlossen war? Ich lief ausversehen mit einem Fuss in ein Loch und fiel mit dem ganzen Körper auf den Boden. Wie mein mitten in der Stadt in ein Loch laufen kann? Nun ja sagen wir es einmal so, Ecuador hat es nicht so mit Renovierungsarbeiten und Reperaturarbeiten. Die Stelle an dem sich das Loch befand, dort befand sich einmal, ein in den Fussboden eingelassenes Licht. Mein Bein Tat mir ziemlich weh.

 

Danach machten wir uns auf den Weg zu einem nah gelegenen See auf dem wir eine Peddalotour machen wollten.

 Die Peddalos waren alle sehr schön und sehr Kunstvoll. Sie bestanden aus verschiedenen Tiere und Fabelwesen und waren auch alle zum grössten Teil überdacht. Die Botsfahrt fing sehr schön an. Wir hatten strahlenden Sonnenschein, Esssen, und meine Musikboxen….

 

 

…Und dann schlug das Wetter um und das Chaos begann.

 

 

Wir waren ziemlich weit herausgefahren und versuchten wieder zurückzukehren. Doch wir hatten keine Chance!!! Circa eine Stunde lang fuhren wir wie blöde auf einer Stelle herum. Dann kam jemand auf die glorreiche Idee ans andere Ufer zu fahren. Das andere Ufer bestand auschliesslich aus grossen Schilfbuschen. Im letzten Moment als wir schon halb im Schilf waren, fielen mir drei Sachen ein:

1.       Wenn wir jetzt dort reinfahren, verfängt sich das Schilf in den Pedalen und wir kommen gar nicht mehr voran.

2.       Und wenn die Pedale voller Schilf ist, müssen wir wahrscheinlich das zerstörte Bot bezahlen.

3.       Es könnte sehr gut sein, dass dieser Teil des Ufers unter Naturschutz steht.

Schnell machten wir uns daran wieder zurück zu paddeln. Der ‘Sturm’ war übrigens wie ein richtiger Sturm. Wenn man nur in einem Boot mit Pedalen sitzt. Auch drei andere Bote gingen auf dem See ‘verloren’.

Nach gut einer Stunde kam dann schliesslich ein Motorboot und rettete uns. Danach unternahmen wir nicht mehr allzu viel in Ibarra, auch weil es halt nichts zum Anschauen an diesem Wochenende gab.

 

Am Sonntag gab es dann noch einen localen Markt, der allerdings gar nichts zu empfehlen ist für Tourissten. Die Leute behandeln dort Touristen mit wenig Geduld, versuchen sie übers Ohr zu ziehen und verhalten sich auch leicht reizbar und leicht aggressiv gegenüber Touristen.

 

Nun könnte man denken, dass Ibarra ein schrecklicher Ort ist, allerdings hatten wir trotz, oder gerade wegen, dieser Erlebnisse eine wunderbare Zeit zusammen und sind auch sehr stolz auf uns, dass wir Ibarra ‘überlebt’ haben.

 

Ausserdem habe ich im Nachhinein erfahren, dass man nicht in Ibarra selber bleiben sollte, sondern ein bisschen ausserhalb… Nun ja passiert ist passiert und es wahr auf jeden Fall eine gute Erfahrung.