Die Schule

 

Zu Anfang:

 

Ich hatte viele schöne Stunden in der Schule zusammen mit meinen kleinen, allerdings geht es in diesem Beitragt um die weniger schönen Erlebnisse während meiner Zeit in Ecuador an der Schule.

 

Die Schule Transito Ammaguna ist in Wirklichkeit ziemlich heruntergekommen. Die Schulräume waren unsauber und kalt. Die Wände dünn, ohne Heizungen, die Türen mehr schlecht als recht in den Angeln. Die Schule erschien einen recht verwahrlosten Eindruck zu hinterlassen, was teilweise stimmte. Viele Fördergelder gab es nicht und die Eltern der Kinder hatten kaum Einkommen. Die Schule war grössten Teils unorganisiert Die Arbeitsmoral liess allgemein in Ecuador zu wünschen übrig, auch in den Schulen. Die allgemeine Stimmung an der Schule war eher aggressiv.

Die Schüler gingen relativ gewaltvoll miteinander um. Auch die Hygiene liess zu wünschen übrig. Verdreckter Schulhof und noch verdrecktere Toiletten, wie man sie sonst nur aus Hollywoodfilmen über verlassene Tankstellen kennt. Und dies ist bei weitem keine Übertreibung, wohl eher noch eine Untertreibung.

 

 

Die Schule befand sich neben dem grössten Gemüse/Früchtemarkt in Ecuador im Süden der Stadt. Also im verufensten Teil überhaupt. Um zur Schule zu gelangen, musste man den Gemüsemarkt beschreiten. Die Verhältnisse dort? Überall dir Abgase der Lastwagen und Autos die, die von westlichen Ländern importiert wurden und noch schwarzen Abgas herausliessen. Es erübrigt sich wohl zu erwähnen, dass dies besonders den letzten Abschnitt des Schulweges besonders gefährlich machte.

 

 

Ich geriet an der Schule an mehrere aussergewöhnlichen Ereignisse.

 

 

Eines meiner schwersten Erlebnisse:

 

Als ich ganz frisch an der Schule noch war, kamen einmal mehrere Mädchen ganz aufgeregt auf mich zu. Sie waren in heller Panik versetzt. Ich verstand sie kaum. Nur deutlich war, dass ich unbedingt mitkommen musste. Der Grund dafür war schrecklich. Ein Mädchen wurde von zwei älteren Mitschülern (beide männlich) so heftig in den Bauch geboxt, dass es aus dem Mund blutete.

Notdürftig ging ich mit dem Mädchen und dem Sohn einer Lehrerin, der anscheinend einfach so zum spass ab und an mal in der Schule war, zum Spital. Für die bedürftigen gab es Spitäler, wo die Sprechstunden gratis waren, die Medikamente allerdings trotzdem kostenpflichtig. Ich verstand praktisch kein Wort des gesprochenen und war daher schlussendlich doch noch über die Begleitung froh. Viel kam dabei allerdings nicht heraus.

 

Das Mädchen sollte in den darauffolgenden Tagen noch einmal zu einer Nachkontrolle in das Spital gehen. Was allerdings nie stattfand, da die Mutter dies nicht erachtenswert fand, und oder nicht die nötigen Mittel hatte. Das Mädchen litt wochenlang unter Beschwerden und konnte ich richtig gehen, vor Schmerzen. Dafür hatte mich die kleine richtig ins Herz geschlossen und umarmte mich täglich, wobei sie fast nicht mehr loslassen wollte.

 

Dies war eines der Ereignisse, wo mein Herz brach.

 

 

 

Ein andermal musste ich ein Spiel unterbrechen, welches die Kinder ganz lustig fand, ich jedoch zum Schreien. Sie spielten mit Ästen an toten Ratten herum, welche man beim aufräumen der Schulküche vorgefunden hatte. Bei einigen dieser Ratten hingen sogar die Gedärme raus! Unter grosser Mühe und einigem Geschimpfe, konnte ich dann die kleineren Schüler endlich davon abhalten mit den toten Ratten weiter zu «spielen». Zu meiner grossen Erleichterung, wie man es sich nur unschwer vorstellen kann. Jedoch waren die kleinen äusserst enttäuscht von meiner Beharrlichkeit.

 

 

 

Meine Kleinen hatten zu Anfang grosse Mühe mit der Hygiene. Hände waschen nach dem Toilettengang, war wortwörtlich ein Fremdwort für sie. Es brauchte über einen Monat, damit sie endlich begriffen, dass dies wirklich nach dem Toilettengang dazugehörte. Meine Klasse war zu Anfang eines Wegs die grösste Rasselbande. Dies bekam ich mit grösster Anstrengung und nur mit unerbittlicher Beharrlichkeit in den Griff.

Mein unfolgsamster Schüler, bei dem jeder Hopf und Malz verloren schien (der Kevin), erwies sich am Schluss als mein bester Schüler. Hier hätte man ihm zu Anfang wohl ADHS diagnostiziert, allerdings stelle sich mit der Zeit heraus, dass man ihn einfach mehr einbinden musste in den Unterricht und ihm auch Hielfsaufgaben erteilen konnte. Es stellte sich nämlich heraus, dass er nur höchst gelangweilt in der Klasse war. Also machte ich ihn mit der Zeit zu meinem kleinen persönlichen Assistenten. Und dies half. Er ging in seiner neuen Rolle extrem auf und half zugleich auch den schwächeren Schülern enorm.

 

 

Nun zu einer weiteren Geschichte, die mir das Herz brach.

 

 

Mit mir zusammen war eine andere Schweizerin aus dem wälschen Teil der Schweiz an der Schule. Sie machte dies auf eigenes zutun und war schon pensioniert. Ganz zu Anfang nahm sie mich auf die Seite und erzählte und schärfte mir folgendes ein:

 

 

Lass deine Schüler unter gar keinen Umständen alleine ihre Eltern auf dem Markt besuchen.

 

 

Die meisten Eltern schufen auf dem Gemüsemarkt als Verkäufer. Der Grund wieso ich dies nicht tun sollte? Nun ja, sie erzählte mir folgende Geschichte:

 

 

Im Jahr davor wurde ein Mädchen zweimal von einem Mann auf dem Gemüsemarkt vergewaltigt. Die Rektorin und besagte Schweizerin gingen mit dem Mädchen insgesamt 13. Mal zur Polizei deswegen. Das Resultat? Nichts. Die Polizei unternahm nichts gegen den Mann, der bis heute noch auf dem Markt arbeitet.

 

Die Polizei verlangte von der Rektorin und der Schweizerin die Wohnadresse, wie auch den Namen des Mannes. Nur dann würden sie gegen ihn vorgehen.

 

Von diesem Augenblick an war ich in hellster Alarmstuffe, was das weggehen meiner Schüler während den Pausen versetzt. Es brauchte einiges an Mühe sie daran zu gewöhnen mich vorher abzuholen und mit mir zusammen zu ihren Eltern zu gehen.

 

 

 

Und noch ein weiterer Punkt, der mir missfiel:

 

Die Schule erhielt wohltätige Spenden für die Kinder, Schulmaterial, welches diese jedoch schlussendlich im Sekretariat kaufen mussten! Die Spenden kamen aus der Schweiz.